Von Grau
zu Metall
Was du in der Hand hältst, ist kein Ton. Es ist pulverisiertes Metall, das aufs Feuer wartet.
Das ist keine Knete
Metallton wurde 1990 in Japan bei Mitsubishi Materials vom Metallurgen Masaki Morikawa entwickelt. Die Idee: ein Metall formbar machen, das es nicht ist.
Was du knetest, ist eine Mischung aus drei Dingen. Mikroskopische Metallpartikel, Feinsilber oder Bronze. Ein organisches Bindemittel, ein pflanzlicher Kleber, der die Körner zusammenhält. Und Wasser, das das Ganze geschmeidig macht.
Das Metall ist von der ersten Bewegung an vollständig da. Der Rest ist nur ein vorübergehendes Gerüst.
Dasselbe Material, dreimal
Paste
Weich, feucht, nachsichtig. Du formst, du drückst platt, du fängst neu an. Solange Wasser da ist, ist nichts entschieden.
Trockener Rohling
Das Wasser ist verdunstet. Das Stück ist hart, aber zerbrechlich wie ein Keks. Jetzt wird gefeilt, gebohrt, geschliffen. Ein Sturz zerbricht es.
Metall
Das Feuer hat das Bindemittel verbrannt und die Körner verschweißt. Übrig bleibt nur das Metall. Ohne Werkzeug kommt nichts mehr hinzu.
Das Sintern
Unter der Flamme passieren zwei Dinge nacheinander.
Zuerst brennt das Bindemittel. Es entzündet sich, raucht ein wenig, verschwindet. Das ist normal und spektakulär: Weiche nicht zurück.
Dann verschweißen die Körner. Das ist das Sintern. Lange genug erhitzt, verbinden sich die Metallkörner an ihren Berührungspunkten — ohne je zu schmelzen. Das Metall bleibt von Anfang bis Ende fest. Es verdichtet sich nur.
Und daher kommt der Schwund. Das Bindemittel nahm Platz ein; beim Verschwinden hinterlässt es einen Hohlraum, den die Körner füllen, indem sie zusammenrücken. Dein Stück schrumpft genau um das, was der Kleber einnahm.
Feinsilber 999
Das einfachere der beiden. Es verzeiht, es oxidiert nicht, und danach braucht es kein Mittel.
Bronze
Anspruchsvoller. Das enthaltene Kupfer oxidiert an der Luft, was sowohl die Dauer als auch das Finish verändert.
In der Werkstatt wird Bronze üblicherweise im Ofen bei 820 °C für 30 bis 60 Minuten gebrannt, in Aktivkohle vergraben, um ihr den Sauerstoff zu entziehen. Mit dem Brenner arbeitet man an offener Luft: schneller und ohne Ofen, aber die Stücke müssen klein bleiben und nach dem Brennen ist ein Beizen nötig.
Die fünf Schritte
01 — Kneten
Nimm nur die nötige Menge heraus und verschließe den Beutel sofort: Metallton bildet an der Luft binnen Minuten eine Haut. Arbeite auf einer leicht geölten Fläche, damit nichts klebt, und halte die Finger feucht.
02 — Formen
Forme eine Größe über der Zielgröße: um den Rest kümmert sich der Schwund. Der Ringriegel dient als Schablone und Anhaltspunkt.
Solange das Stück feucht ist, ist alles umkehrbar. Du kannst es so oft neu durchkneten, wie du willst.
03 — Trocknen
Das ist der Schritt, den man überspringt und bereut. Ein noch feuchtes Stück platzt unter der Flamme: Das Wasser verdampft schlagartig und sprengt das Material.
Der Spiegeltest: Lege das Stück ein paar Sekunden auf eine kalte, glatte Fläche. Erscheint ringsum ein Beschlagrand, ist noch Wasser drin. Warte.
Erzwinge das Trocknen bei einem großen Stück nicht: Der Temperaturschock lässt es reißen.
04 — Brennen
Auf dem Schamottstein, Flamme etwa zwei Zentimeter entfernt, in kleinen fortlaufenden Kreisen. Halte nie auf einen Punkt.
Zuerst entzündet sich das Bindemittel — lass es zu Ende brennen. Dann steigt die Farbe. Sobald sie da ist, stoppst du die Zeit: Es ist die Zeit bei Farbe, die die Körner verschweißt, nicht die Gesamtzeit unter der Flamme.
05 — Fertigstellen
In Wasser abschrecken oder an der Luft abkühlen. Schrecke niemals ein Stück mit gefasstem Stein ab: Der Temperaturschock lässt ihn zerspringen.
Das Metall kommt weiß und matt heraus. Die Bürste macht es seidig, dann glänzend, wenn du dranbleibst.
Vier Regeln, nicht verhandelbar
Das Alter. Set für Personen unter 18 Jahren nicht empfohlen. Es ist kein Spielzeug.
Der Raum. Nicht brennbare Unterlage, niemals Holz oder Kunststoff. Belüfteter Raum: Das verbrennende Bindemittel raucht.
Der Körper. Hitzebeständige Handschuhe — niemals Nitril oder Latex, die auf der Haut schmelzen. Metallzange für jede Bewegung. Brille, Haare zusammengebunden, geschlossene Schuhe.
Die Zeit. Zehn Minuten, bevor du das Stück mit bloßer Hand anfasst, dreißig für den Stein. Metall hört lange vor der Handhabbarkeit auf zu glühen.
Wenn es schiefgeht
Mein Stück ist aufgequollen oder hat Blasen.
Es war noch Wasser drin. Der Dampf wollte heraus und hat das Material angehoben. Entweder war das Trocknen unzureichend, oder es war so brutal, dass sich an der Oberfläche eine dichte Kruste gebildet hat.
Es bröckelt oder bricht von selbst.
Unvollständiges Sintern: Die Körner haben sich nicht verschweißt. Du hast die Farbe nicht lange genug gehalten, oder du hast ab dem Anzünden gestoppt statt ab dem Rotglühen.
Das lässt sich retten: Brenne das Stück noch einmal und halte die Dauer ein.
Es ist geschmolzen oder eingesackt.
Zu heiß. Kurz vor dem Schmelzen wird die Oberfläche glänzend und flüssig, wie ein zitternder Spiegel. Sobald du das siehst, nimm die Flamme weg.
Ein geschmolzenes Stück ist als Stück verloren, das Metall aber nicht.
Meine Bronze ist völlig schwarz.
Das ist Kupferoxid, und das ist normal: Du hast an offener Luft gebrannt. Es braucht ein Beizen, um es zu entfernen; die Bürste allein genügt nicht.
Mein Stein ist zersprungen oder hat die Farbe gewechselt.
Nur synthetische Steine — allen voran Zirkonia — überstehen das Mitbrennen. Natursteine enthalten Risse und Einschlüsse, die in der Hitze zerspringen, und viele verfärben sich.
Prüfe immer, ob ein Stein zum Mitbrennen freigegeben ist, bevor du ihn vor dem Brennen fasst.
Das Set enthält alles davon.
Die Modelliermasse, der Brenner, der Schamottstein, der Ringriegel, die Bürste und die Anleitung.
